Ein besonders trauriger Fall von zivilem Ungehorsam im dritten Reich.
Johann Georg Elser lässt sich in den Nächten vor Hitlers Auftritt in dem Gebäude einschliessen, um eine Säule auszuhöhlen. Die sorgfältig präparierte Bombe baut er darin ein.
Beim Versuch in die Schweiz zu fliehen wird er von Zollbeamten angehalten und der Gestapo übergeben. Als Sonderhäftling wird er ins KZ Sachsenhausen eingewiesen, er soll nach dem Endsieg in einem Schauprozess hingerichtet werden.
Am 9. April 1945, als mit jedem Wunschdenken an irgendeinen Sieg längst Sense ist, lässt Himmler ihn erschiessen.
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Achtung: ab hier ein etwas längerer Text voll Selbstreflexion und grausigen Details, mit denen zarte Naturen sich lieber nicht belasten sollten!
Ihr seid gewarnt.
Ihr seid gewarnt.
Ich bin ein Nervenbündel und keine sehr angenehme Gesellschaft, seitdem ich mich derart intensiv mit dem 3. Reich beschäftige.
Ich merke, dass ich nicht wirklich dafür geeignet bin, mich in diesem Ausmaß mit den Abgründen dessen, was wir Menschlichkeit nennen, zu beschäftigen.
Ich bin wohl zu sensibel und lasse Dinge zu sehr an mich heran.
Ich bin wohl eher für die schönen Dinge des Lebens geschaffen.
Ich bin wohl eher so der Hippietyp, um es mit Sven Regener zu sagen.
Es schlägt mir auf die Psyche, den ganzen Vormittag über Grausamkeiten zu lesen, wie über die vergewaltigten Jüdinnen während der "Reichskristallnacht", deren Peiniger (wenn überhaupt) wegen Rassenschande angeklagt wurden, oder den KZ-Aufseher, der seinem 10-jährigen Sohn ein perfides Geburtstagsgeschenk macht: 10 jüdische Kinder werden wie Tontauben in die Luft geworfen, der Sohnemann darf auf sie schiessen ...
-und am Nachmittag fähig zu sein, mit der Freundin bei H&M einkaufen zu gehn, mit Dudelmusik und aufgedrehten Konsumopfer-Teenies im Ohr. Da prallen dann Welten aufeinander, die nicht zusammengehn.
Das Schlimme daran: mit wievielen Details und Themengebieten ich mich teilweise beschäftige, die eigentlich fast bis gar nichts mit dem Comic zu tun haben, an dem ich arbeite.
Wie ich der Faszination des Bösen erliege.
Faszinierend schrecklich auch dieser Fotoband über Hitlers Haus-und Hof-Fotografen Walter Frentz.
Farbfotografien von Göring und Hitler, die nicht mehr die Abstraktion verwaschener Schwarzweiß-Fotografien zulassen. Bestie Mensch von Nebenan.
Buch-Zitat: Frentz´ Bilder vom Tag halten einen stark gealterten Hitler fest. Trotz offensichtlicher Anzeichen des Verfalls war der Glaube an ihn jedoch auch im unmittelbaren Umfeld nie getrübt. Sein Diener Heinz Linge gestand später: "Wie krank, vergreist und verbraucht Hitler 1944 war, sah ich natürlich täglich; aber dies machte mein Vertrauen in das Genie des Führers nicht wankend."
Das erinnert mich irgendwie an die Erzählungen vom aufgedunsenen Elvis Presley,wegen dem die Mädchen immer noch scharenweise loskreischen und in Ohnmacht fallen.
Der fanatisierte Mensch verklärt und sieht nur noch, was er sehen möchte.
Ebenfalls verstörend: junge Nazioffiziere beim Jazzplatten hören und Gitarre spielen,
oder Hitler in der Inszenierung einer "intakten Familie":(alle Fotos aus "Das Auge des Dritten Reichs", erschienem beim Deutschen Kunstverlag.)
Nun befindet sich der Comic ja in der Endphase, in 14 Tagen, in denen ich noch 20 Seiten zeichnen muss, ist der Spuk vorbei.
Ich bin sehr froh, diesen Comic gemacht zu haben.
Ich habe viel gelernt und bin viele Schritte vorangekommen.
Ich habe viel gelernt und bin viele Schritte vorangekommen.
Mein nächster Comic wird wahrscheinlich von zwei jungen Menschen handeln, die sich ineinander verlieben und durch die Welt reisen. Es wird viel Sonne darin vorkommen, und Rock´n´Roll, und Freiheit, und Lust am Leben.






Ich kann das gut nachvollziehen. Mich hat bei der Auseinandersetzung mit dem dritten Reich (aber auch mit den Hexenverbrennungen im Mittelalter) immer die "scheinbare" Normalität schockiert. Das berichten Menschen von ihren Gräueltaten als wäre es die Buchhaltung eines Einzelhändlers (KZ-Ärzte), die übelsten Verbrecher gegen die Menschlichkei inszenieren Weihnachtsfeste, die perfekter nicht sein können...und ich habe mich nie so intensiv mit dem Thema auseinander setzen müssen wie Du.
AntwortenLöschenIch drücke Dir auf jeden Fall die Daumen, dass Du das Projekt erfolgreich abschließt und es danach schaffst, die nötige Distanz aufzubauen.
14 Tage, du schaffst das!
AntwortenLöschenVielen Dank für den Einblick in deine Gedankenwelten jenseits des eigentlichen Produktions-Weblog. Meiner Meinung nach zeigst du vollkommen gesunde Reaktionen von jemandem, der mit seinen Mitmenschen fühlen kann. Mir ist es oftmals genauso ergangen, wenn ich Details aus dem Holocaust oder anderer dunkler Zeiten erfuhr. Aber sensible Menschen wie Du sind doch die besten Anzeichen für ein klein wenig begründete Hoffnung, oder nicht? Alles Beste und viel Kraft!
AntwortenLöschenjetzt wo ich den kopf wieder frei hab:
AntwortenLöschendanke für die lieben Worte,
es geht gemütsmäßig bereits wieder aufwärts!